Ich schenkte ihr einen Papierballon

So eine von diesen Laternen

Und glücklich trabte sie durch die Stadt

Mit Sonne, Mond und Sternen.

 

Sie hat mir in Finnland ein Haus gekauft

Ganz wie sie es einst versprochen

Wir haben uns dort zusammengerauft

Und vor den Menschen verkrochen

 

Doch leider saßen mit uns am Kamin

Ein Spitz und eine Katze

Sie gab ihnen all ihre Liebe hin

Und mir eine mürrische Fratze

 

Und leise fiel draußen der finnische Schnee

Und drinnen fiel ich in Trauer

Begann mich zu fürchten, in Sehnsucht und Weh

Vor ihrer Miene so sauer.

 

Ich flehte: „Bin ich ein Teil von Dir -

Wie gehst Du dann mit Dir um?

Und wärst eine gänzlich Fremde Du mir:

Was bleibt mir Dein Herze so stumm?“

 

Die schloss sie vor mir ihren schönen Mund

Und sprach seit jener Stunde

Nur noch mit der grausamen Katze und

Dem giftig blaffenden Hunde

 

Am Abend vor dem Weihnachtstag

Da zog sie ein böses Gesicht

Da zog sie ihr hübschestes Ballkleid an

Und flüsterte: „Warte nicht ...“

 

Sie zündete in ihrem Lampion

Die freundliche Kerze an

So eisig schritt meine Göttin davon

Wie's niemand beschreiben kann.

 

Mit Spitz und Katz ließ sie mich allein

Wir wechselten grimmige Blicke

Der Hund starrte listig, feig und gemein

Die Katze in hämischer Tücke

 

Den Kläffer hab ich aufgehängt

Danach ging es mir besser

Die Katze habe ich ertränkt:

Mit einem großen Messer

 

Steh ich nun in heiliger, finnischer Nacht

Und denke in unserem Garten

Wie immer, seit sie meiner nicht mehr gedacht:

'Bald kommst Du zu mir, ich kann warten ...'

 

Zwar tränenschwer ist mein Blick verschwommen

Doch seh ich's in dunkler Ferne

Schon leise schwankend näherkommen

Das Licht ihrer lieben Laterne.

 

 

© Robert L. Sanatanas 2017

Ingas Laterne

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